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Zwischen Running-App & Yogapose: Warum ich meine Sporteleien öffentlich poste

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Auch euer Facebookstream ist voll von Kilometerangaben eures joggenden & rennrad-fahrenden Freundeskreises? Nervt euch das oder macht ihr selber mit? Hier ein paar Gründe, warum ich den scheinbaren Sport-Narzissmus gerne praktiziere.

fitspoVielleicht kennt ihr das: Auf einmal, meist so zwischen dem 25. und 30., werden die betrunkenen Tanzfotos auf euren sozialen Kanälen weniger und es flackern immer mehr Kilometer-Maps auf. Statt Open-Air-Teilnahmen melden sich alle für irgendwelche Läufe an oder trainieren für einen Marathon. Veranstaltungen wie der Nikes „We run Berlin “ etc. haben Sport zu einem Social-Media-Deluxe-Event gemacht. Auch wenn das bei einigen Augenrollen auslöst, bin ich jedoch großer Fan der Sportlichkeits-Verteilung. Mit ihr macht man sich die Welt und sich selbst so sportlich wie es einem gefällt.

Meine Reise, mein Marathon, meine Buddhabowl

Gerade für eine unsportliche Wurst wie mich ist das Motivation und Unterstützung in einem. Man selbst gibt sich einen Push und kreiert sich ein Umfeld, dass die (für mich) neuen Gewohnheiten nicht verurteilt. Wenn ich mein Workout (oder jegliche andere neue Hobbies) öffentlich poste, dann habe ich mich ein kleines Stück weiter verpflichtet und die Veränderung verinnerlicht, sie wird ein bisschen mehr Teil von mir. Natürlich wäre es toll alles allein aus sich heraus zu machen und sich von externen Ansprüchen komplett zu befreien, aber so kann man sie positiv für sich nutzen.
sport instagram

Tschüss sagen zum inneren dicken Kind

Sport war für mich immer ein nerviges Mittel zum Zweck. Von klein auf hatte ich Sukkulenten bestellenverkürzte Bänder, bedingt durch chronische Kindheitsbronchitis blieb mir schnell die Puste weg und bis auf Fuß- und Volleyball konnte mich keine Sportart so wirklich catchen. Tanzen war das einzige, das Kalorien verbrennt, mich stärkte und Freude machte. Die Kids, die schon immer in Vereinen waren & bei denen Sport Teil ihre Lebens war, konnte ich ewig nicht verstehen.

Für mich existierte er nur in der Schule oder in den sporadisch gekauften Shape-Ausgaben, die sich in meiner Jugendzimmer-Ecke stapelten. Trotzdem blieb ich am Ball: McFit, Sportgeräte meines Onkels, Kurse im fancy FitnessFirst. Immer war es nervig und ein weiterer Anstrich auf der ToDo-Liste. Da musste mir erst eine katastrophale Trennung den Körper wegballern, um Platz für neue Routinen zu machen. Auf einmal verstand ich, wovon die Leute sprachen, wenn sie sagten Laufen würde den Kopf frei machen. Ich WOLLTE plötzlich FREIWILLIG zum Sport und fühlte mich viel mehr bei mir, während ich mich bewegte.

Hallo, ich bin surfende Yogini!

Früher stand ich eher darauf mich anschreien zu lassen, während ich zu schrecklich pumpenden Beats schwitzte. Jetzt gefiel mir sogar dieses Yoga, über das ich doch eigentlich immer lachte und mit dem ich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Ich begab mich sogar aufs vulkanische Lanzarote, um Surfen zu lernen, obwohl ich vorher Tausend Tode starb und Angst hatte einfach wie ein Klumpen vom Board zu fallen. Es stellte sich heraus, dass es einer der schönsten Urlaube meines Lebens werden sollte, denn auch wenn es viele nicht glauben, gerade die Surfercommunity ist mega unterstützend. Auch wenn ich nichts kann und immer noch Anfängerin bin, sobald ich den Neoprenanzug anhabe und mich mit anderen Surfern austausche, wachsen mir innerlich kleine Flügelchen. Sich Surfer, Yogini (oder was auch immer man sein will) zu nennen, hilft das richtige Mindset zu haben, durch das man dann wirklich in neue Gewohnheiten reinwächst. Mir hat es vor allem geholfen Ängste abzuschmettern und „kann ich sowieso nicht“-Gedankenspiralen gerade zu biegen.

Würde ich mich morgen in die Vergangenheit beamen und meinem 16-jährigen Ich erzählen, dass ich surfe und Yoga machen, es würde mir nicht glauben.

surfergirls

Man muss sich selber ernst nehmen! Lange Zeit war mir das zu albern und so ist das Posten seiner Sport“erfolge“ Commitment über Social Media. Hier darf man sich nochmal neu erfinden, sein eigener Hashtag sein und fernab von allem, was man mal war ein kleines neues (gesünderes Ich) kreieren. Ähnlich ist das auch mit den Sport-Outfits. Wie oft beginnt man sich erstmal lauter Equipment zu kaufen, um in die richtige Stimmung zu kommen und sich „professionell“ vorzukommen.

Wenn ich mir auf Pinterest Inspirationen hole und durchs 10te „Fitspo“-Board durch bin oder mir und Kombinationen wie bei Sportscheck anschaue, wo mir sogar noch passend zur Sportart die Outfits zusammengelegt werden, dann kribbelt es schon in meinen Fingern und das ganze Thema Sport und Bewegung durchflutet mein Hirn, anstelle der ungesunden Angewohnheiten. Natürlich sind das nur Äußerlichkeiten und bei einigen Menschen bleibt es vielleicht dabei, dass sie in Leggins weintrinkend vor Netflix sitzen (auch irgendwie Sport). Es kann aber ein Ansporn sein. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit einem langjährigen Freundeskreis: Wenn immer gefeiert und gefuttert wird und sowas wie Samstags laufen gehen spießiger Fuckshit ist, dann wird man sich das eher nicht angewöhnen, selbst wenn man oft darüber nachdenkt etwas ändern zu wollen. Sportlichkeiten zu posten, andere zu kommentieren und sich selbst seine kleine Blase (ja manche Filterbubbles sind auch mal okay) aufzubauen, hilft Neues zu etablieren und sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, was wiederum weiter motiviert.

Der Vorher-Nachher-Wahn

Doch vergessen wir nicht auch die dunkle Seite: verschiedenste Fitspo und Thig Gap, Ab-Crack und andere sicke Trends belasten viele Menschen. Das ganze Geposte kann auch genau den umgekehrten Effekt haben: Man fühlt sich faul und hässlich und fängt gar nicht erst an. Einen drauf setzen Fake-Postings bei denen die Leute sich selber belügen, nur um am Optimierungsgefecht teilzunehmen. Mir hat es geholfen mich von fast allen Sport-Instagram-Accounts zu lösen, denn diese ständigen Vorher-Nachher-Bilder haben mich total runtergezogen und gleichzeitig süchtig nach ihnen gemacht. Als ich das letzte Mal 5 Wochen keinen Sport gemacht habe und den Hintern wieder hoch bekommen wollte, scrollte ich also durch meinen eigenen Account und erinnerte mich an meinen 7021. Platz im Berliner Firmen-Lauf und vergab mir meine eigene Glücks-Goldmedaille und schon sitze ich hier und beende diesen Artikel nach einer Woche mit 3 x Sport und Muskelkater.

 

2 Comments

  1. „…verschiedenste Fitspo und Thig Gap, Ab-Crack und andere sicke Trends belasten viele Menschen.“
    Please what?
    Du hast es geschafft, dass ich mich alt fühle.

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