Ze Germans – 5 „typisch deutsche“ Eigenschaften, die ich an mir erkannt habe

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Natürlich ist es faul sich allzu oft in Stereotypen zu flüchten und Menschen aufgrund ihrer Herkunft gleich zu kategorisieren. Gleichzeitig sind kulturelle Unterschiede und Eigenheiten selbst in der globalisiertesten Welt nicht von der Hand zu weisen. Hier meine eigenen kulturunwissenschaftlichen Erkenntnisse durch passioniertes Weltenbummeln.

Wenn ich eins durch mein ERASMUS-SEMESTER gelernt habe, dann dass jedes Land erstmal sein eigenes Verhalten logischer Weise als „normal“ definiert und dementsprechend alle Abweichungen als „crazy“ wahrnimmt. „Wie ihr findet das komisch andere mit Küssen zu begrüßen? Was soll diese komische Umarmung sein? „Also wirklich jetzt? Ihr tanzt alle zum DJ gerichtet und zu solchern Musik?“ „Wieso sollte man denn Saft und Sprudelwasser mischen?“ „In Deutschland gibts doch kaum Arbeitslose und allen gehts gut!“

Eine Zeit lang mal in einem anderen Land zu leben ist nicht nur deswegen eine Erfahrung, weil man über dieses neue Land viel lernt, sondern weil man sich und sein Herkunftsland reflektieren kann. Man geht einen Schritt zurück, hört sich an wie andere Deutschland wahrnehmen und erkennt eigene kleine Klischeefallen, deren man sich durch seine Sozialisation mittels Familie, Freunde und Medien einfach nicht entziehen kann. Spannend zu diesem Thema ist das herrrrliche zweichsprachige Wendebuch von Adam Fletcher Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten.

 

1. BROT – Gib mir Vollkorn!

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Ich habe bereits hier und hier schon über meine Liebe zum Teignahrungsmittel gesprochen, jedoch kann ich meine Zuneigung nicht genug unterstreichen und muss sagen, dass es wirklich das erste ist, was mir in anderen Ländern fehlt. Besonders beim Frühstück und Abendbrot, bei dem man sich ein bunt belegtes Schnittchen gönnt. In vielen anderen Ländern ist Frühstück die unspektakulärste Mahlzeit des Tages und dazu meist auch noch süß. Von Brunch wird oft nicht viel gehalten und wenn man doch mal Brot bekommt, ist es Weißbrot, von dem ich erst einmal Unmengen verschlingen müsste, um ansatzweise satt zu werden.

2. FENSTER & LÜFTEN – German (Erstickungs-)Angst

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Als ich in Irland nach einer Wohnung suchte, fiel mir dann doch auf wie viel von meinem Vater an mir hängen geblieben ist. Neben den vielen schiefen Wänden fielen mir oft die ungedämmten Fenster auf und der Schimmel, der Schnell Einzug hält, wenn kein ordentliches Temperatur-Lüftungsverhältnis eingehalten wird. Ich hatte letztendlich Glück in meinem Dachgeschoss-Zimmer ordentliche Fenster zu haben. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich das erste Mal in meinem neuen Bett lag und den Markennamen eines bekannten deutschen Fenster-Herstellers Velux* sah. Abgesehen von der spannenden Erkenntnis, dass „Fenster auf Kipp“ scheinbar auch eine deutsche Eigenart ist.

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Achja und abgesehen von den, oft fensterlosen Bädern (Schimmel vorprogrammiert) gab es z.B. in Irlans witzige automatische Duschen, die auf Knopfdruck funktionierten. Achja und unsere Toiletten werden auch gern als wahnwitzig gefeiert zumindest jene, die so ein kleines Plateau im WC-Becken haben statt ein direktes tiefes Loch, in das alles fällt.

 

3. Zeit – Keine unnötigen Unterhaltungen

Pünktlichkeit ist nicht mein oberstes Gebot, aber zugleich richte ich mich sehr nach der Zeit und bemühe mich nicht zu spät zu kommen. Falls das dann doch mal der Fall sein sollte, fühle ich mich bei mehr als 10 Min eine kurze Nachricht zu schicken. Auch dann, wenn es ein Partywochenende ist. Verabreden und dann irgendwann kommen, scheint in anderen Ländern tooootal normal zu sein und dabei spreche ich nicht vom akademischen Viertel. Während mir in diesen Fällen gefällt, dass ich es gewohnt bin Zeit als Richtmaß und Diktator zu gehorchen, ist es an manchen Stellen aber auch fehl am Platz.

Wenn es zum Beispiel darum geht auf der Straße mit jemand Fremden zu sprechen, ihn oder sie nach dem Weg zu Fragen oder mit der Verkäuferin einen Plausch zu halten. Wenn man nicht gerade auf dem Dorf ist und sich kennt, kommt das nicht so oft vor und meist wird zwar nett aber nur effizient miteinander gesprochen. Man stellt die Frage nach dem Weg und Schwups! ist man schon wieder los. In vielen anderen Ländern wird so ein Gespräch viel länger und zwangloser. Ich habe das dann mal mit mir selber geübt, was nicht leicht war und eh ich mich versah versieht, erfuhr ich, dass die Person mir gegenüber früher in einer Hippiekommune gelebt hat, jetzt Taxifahrer ist und bekam noch einen geheimen Tipp fürs nächste Abendbrot.

 

4. Schorle – Mix dich zur ultimativen Erfrischung

Ich gebe zu, ich bin als Brausekind aufgewachsen und ab da an, wo ich etwas von Kalorien und Inhaltsstoffen verstand, wurde es ganz schön schmerzhaft die süßen Getränke aufzugeben bzw. zu reduzieren. Zum Glück aber gibt es ja die Möglichkeit einen gesunden, aber gehaltvollen Saft mit Sprudelwasser zu mischen. Während es hierzulande total normal ist auch schon eine fertige Schorle zu kaufen, muss man sich diese im Ausland selbst zusammen mischen. Abgesehen davon, das niemand das Konzept kennt und ich noch in KEINER Sprache eine Übersetzung für das Wort Schorle gefunden habe, wird man verächtlich angeguckt, wenn man einen Schritt weitergeht und von Weinschorle erzählt.

Wenn die Schorle dann mal leer ist, ist übrigens auch das Thema Flaschenpfand immer der Hit: In anderen Ländern gibt es oftmals kein Mehrwegsystem, aber alle finden es super smart und fragen sich dann, wieso das nicht alle machen.

 

5. Ampeln

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Ja, ja das gute alte Klischee über die gehorsamen Deutschen, die alles tun, was die Autoritäten ihnen auftragen. Ich muss sagen, wenn ich zu Hause bin, bin ich ein sehr großer Fan vom Rot-Gelb-Grün-Prinzip und habe als Kind oft mit meiner Mutter an Ampeln gestanden und „Bei rot bleibe stehen, bei grün darfst du gehen“ aufgesagt.

In manchen Ländern scheinen die drei Farben jedoch lediglich eine „Orientierung“ zu sein und sich niemand wirklich daran zu halten, wodurch man sich schon am ersten Tag als German entpuppt. In manchen Ländern sind die Ampelschaltungen auch so sinnlos und der Verkehr so verkrumbiegelt, dass man nie am Ziel ankommen würde, würde man sich an die Ampelphasen halten.

Zurück in der Heimat musste ich mich dann schnell umgewöhnen, nachdem mich 3 aggressive Elternteile anschrieen, als ich über eine kleine Ampel, auf einer Straße im nirgendwo bei Rot die Seiten wechselte, weil einfach nirgends irgendwo ein Auto zu sehen wahr. Effizenz ey!

Was ist euch auf euren Reisen so aufgefallen? Was haben andere Länder für kulturelle Eigenheiten?

Make me German

Wenn ihr jetzt so richtig schön in die Kulturwissenschaft eingetaucht seid und Spaß daran findet die kleinen und feinen Unterschiede zu untersuchen, kann ich euch nur diese BBC Doku ans Herz legen, in der eine Britische Familie versucht „typisch deutsch“ zu leben:

 

* Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Veluxshop

5 Comments

  1. du hast recht, bei meinem erasmus semster und auch auf reisen, merkt man, dass man deutscher ist als man denkt 😉 Bei Brot und Saftschorle habe ich mich gleich wieder erkannt. Ich hatte mal eine Liste einer Australierin im Netz gesehen, die in Deutschland war und ihre German Facts aufgeschrieben hat – sehr lustig, leider fine es gerade nicht. So können die Leute nicht glauben, dass die Deutschen bei all ihrer Püntklichkeit und Struktur, im Supermarkt wenn eine neue Kasee aufmacht von gaaaanz hinten nach gaaaanz vorne losrennen 😉 Auch „A drink that doesn’t sparkle istn’t really a drinkt“ fand ich sehr lustig bei ihren Feststellungen, wo wir wieder bei der Schorle wären 😉 lg

  2. Oh ja, Brot hat mir in Schweden auch total gefehlt! Immer nur so doofes Supermarkt-Brot und keine Bäcker!
    In Schweden warten aber auch alle brav an der Ampel. Bzw. sie müssen meistens gar nicht warten, weil die Ampeln oft sofort auf Grün springen, wenn kein Auto kommt. DAS sollten sie mal in Deutschland einführen!
    Ein Fenster im Bad habe ich in Deutschland übrigens auch nicht. Aber trotzdem keinen Schimmel, weil die Lüftung halbwegs funktioniert. 😉

  3. BROT! Ich versteh auch nicht, warum immer alle dieses Weißbrot essen können, aber zum Glück gibt es ja German Pumpernickel 😀

  4. Haha, ich hab dieses Buch geliebt und mich auch immer mal wieder erkannt. Gerade in meinem Schottland-Auslandssemester habe ich schon gemerkt, dass es Dinge gibt, die einen dann doch kulturell ausmachen… Pünktlichkeit ist eins davon 🙂

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