Warum das Barbie Dreamhouse gebaut wurde

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Brennende Barbies, nackte Brüste und Kindheitserinnerungen durchstreiften meine Gedanken als ich diese Woche gefragt wurde, ob ich in das Barbie Dreamhouse mitkommen möchte. Eine sexismusdebatten-losgelöste Überlegung.

Das Dreamhouse ist eigentlich ein Pop-up Store

Das Barbie Dreamhouse ist eine geniale Marketingidee! Da Produkte immer stärker substituierbar sind und es nicht mehr ausreicht aufzuzählen, was Produkte alles können, nutzen immer mehr Firmen Erlebnismarketing.
Dieses hat es sich zur Aufgabe gemacht seinen Kunden durch eine emotionale Verbindung in Erinnerung zu bleiben. Genau deswegen heißt das Projekt auch The Barbie Dreamhouse EXPERIENCE. Es geht darum diese Welten wirklich zu erleben und Marken erfahrbar zu machen.

„They will forget what you said, but they will never forget how you made them feel.“

Das sagte einst Carl W. Buechner und greift damit den Erlebnisgedanken perfekt auf. Wir werden als „erlebnisorientierte und individualistische Prosumenten“ (Jochen Thinius) behandelt. Das bedeutet Firmen müssen uns individuell und auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ansprechen und uns involvieren.
Die Idee des Markenerlebens ist also, dass wir durch das bewusste und unbewusste Nutzen unserer Sinne das mit der Marke erlebte mit unseren eigenen Erinnerungen, Erfahrungen und Assoziationen aufladen und dann abspeichern. So haben Marken und Produkte für jede Person eine eigene Bedeutung.

Was hat das mit Barbie zu tun?


Das Barbie Dreamhouse ist eine nachgebaute Traumwelt. Früher hatte ich das pinke Haus in Miniaturformat in meinem Zimmer. Gartentische zum Ausklappen standen auf angemalten Papprosen. Da ich nicht der Babypuppen-Fan war, habe ich stundenlang mit Barbie, Rasier-mich-Ken, Skipper und Shelly gespielt und erinnere mich gern zurück. Dabei denke ich nicht darüber nach, dass eine fleischgewordene Frau mit ihrer Figur weder stehen, noch laufen könnte. Ich habe nur gute Erinnerungen an Barbie, wie wäre das wohl, wenn ich damals auch noch in ein digitalisiertes Dreamhouse hätte gehen können?

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Es ist in Zukunft vielleicht nicht mehr der Besuch im Tierpark, sondern der Familienausflug oder Kindergeburtstag im Barbiehaus, an den man sich noch ewig erinnert. Das Haus wurde gebaut, um Teil der persönlichen Lebensgeschichte der Kunden zu werden.

Abgesehen davon, dass das Traumhaus zum Anfassen nachgebaut wurde, kann man in ihm auch in Barbies begehbaren Kleiderschrank mittels digitalem Spiegel Kleidung anprobieren oder virtuellen Cupcakes zusammenstellen. Die Macher nutzen neueste Techniken zur Interaktion. Das Haus ist also ein gut ausgetatteter überdimensionaler Pop-up Store, denn in ihm kann man natürlich auch Barbies kaufen.

Getoppt wird das ganze durch Radio-Frequency Identification (RFID). Diese Technik steckt in einem Armband, das man sich noch zusätzlich zum Eintritt (12€ bis 15€) für 5€ Pfand ausleihen kann. Mittels Angaben zum eigenen Namen, Geschlecht und Muttersprache wird das besagte Armband dann ein „ganz persönliches und auf sie maßgeschneidertes Erlebnis“, denn das Armband ermöglicht Interaktionen an den aufgestellten LED-Touchscreens und weiteren Stationen.
Außerdem gibt es noch einen Stylingbereich, einen Catwalk (Extraticket +10€) und eine Popstar Stage (Extraticket +10€). Um neben dem Hören, Sehen und Fühlen Barbie auch noch schmecken und riechen zu können, gibt es das Barbie Café. Das Dreamhouse versorgt alle Sinne. Durch die Ausstattung wirkt das Warenzeichen Barbie modern und zeitgemäß, was sie auch sein muss, um gegen neue digitale Anziehpuppen zu gewinnen.

Wie weit darf man gehen?

Während sich genug Artikel derzeit im Netz mit der Debatte um den Sexismus des Barbie-Frauenbilds beschäftigen, geht es mir eher um die wirtschaftsethischen Fragestellungen:

  • Wie weit darf Erlebnismarketing gehen und wie stark wirkt es im Unterbewusstsein?
  • Wie verwerflich ist es das Unterbewusstsein von (kleinen) Menschen zu beeinflussen und zu lenken?
  • Sind Disneyland und das Lego Discovery Center genauso in Frage zu stellen?

Natürlich kann man die Message und Werte, die eine Marke durch diese Marketingform verbreitet nicht außer Acht lassen. Wenn ihr jedoch gefragt werdet, ob ihr mit ins Barbiehaus gehen wollt und euch die Sexismusdebatte nicht interessiert, dann denkt doch vielleicht darüber nach, ob es euch wert ist fast 20€ dafür zu bezahlen, dass ihr auf eine Marketingveranstaltung von Mattel geht.

1 Comment

  1. […] gestört, wa? Hauptsache man kann irgendwo barbusig gegen Ungerechtigkeiten Demonstrieren), hat ja zum Beispiel die zauberhafte Elv einen Artikel über diese Sache geschrieben, der wirklich sinnvoll ist. Im Gegensatz zu vielen anderen, die ich las. Sie lässt […]

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