Vielleicht bin ich gar nicht der Mittelpunkt des Universums

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Wenn man bloggt, muss man sich vieles gefallen lassen. Eigentlich muss sich jeder, der Texte, Bilder oder Videos veröffentlicht viel gefallen lassen. Man öffnet sich ein Stück, streut Meinungen ein, gibt vielleicht sogar sein Äußeres zur Diskussion frei. Nicht nur in Kommentaren musste ich mir Narzissmus oder Selbstverliebtheit vorwerfen lassen. Blogs und Social Media machen die Selbstdarstellung natürlich leicht und immer wieder schwanke ich zwischen Trivialität und künstlerischem Ausdruck.

Blogs als gesteigerte Form des Scripted Reality TV

Schon oft wollte ich diese Seite hier einfach löschen und das Internet umbringen, weil ich mir vorstellen, dass es nicht die Welt verbessert, wenn man sein Mittagessen in einem zarten Valencia -Filter postet oder zeigt, wie man in einem Schlafanzug auf dem Bett sitzt und ständig darauf wartet, dass jemand liked, shared oder kommentiert. In meinem Freundeskreis gibt es selten Feedback, was vielleicht sogar besser ist und warum sollte mein Schlafanzug nun besser als der von anderen sein?

Darf ich über „ Berlin Tag und Nacht“ -Gucker meckern, wenn ich auf meinem Blog beschreibe, welche Blume ich gerade gepflanzt oder welchen Rucksack ich gerade gekauft habe?

Mir ist das alles bewusst. Ich weiß, dass diese kleine Seite mit ihren 300 Besuchern am Tag für manche das „Wetten, dass…“ des Internets ist. Vielleicht ist es schlecht zu denken, man sei anders als andere oder man dürfte sich mehr ausdrücken als andere.

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Vielleicht ist dieser Gedanke aber auch genau das, was Herzerkältungen verhindern kann und einen davon abhält müde vom Leben und seiner Alltäglichkeit zu werden. Wenn mich dann Mails wie Anfang dieser Woche erreichen, in denen dann wirklich steht „du inspirierst mich und mein Leben“ ist das einfach nur Wahnsinn und erfüllt mich bis zu dem nächsten Punkt, an dem ich überlege, ob man wirklich einen ganzen Artikel über Regenstiefel lesen muss und was überhaupt noch Sinnvolles mit dieser Welt anzufangen ist.

Wir sind nicht alle Künstler und wir sind nicht alle Journalisten, doch genauso wie es euch Spaß bringt eure Facebook-Wall mit niedlichen Bildern eurer Katzen oder Kinder vollzuposten, muss ich hier einfach weiterschreiben. Man muss es nicht immer ins Negative drehen und denken wir Blogger würden denken, wir sind etwas Besseres und müssen uns in unserer Geilheit wälzen. Dinge zu teilen, bringt Freude und selbst wenn meine künstlerische Fähigkeit nur Durchschnitt ist, bringt mir diese Seite an manchen Tagen so unfassbar viel Freude und hält mich davon ab eine verrückte Nihilistin zu werden.

Und wenn mich das nächste Mal wieder eine Unsicherheit kitzelt oder Depression küsst, lasse ich mir „Einfach machen“ auf die Kniescheibe tätowieren. Irgendwie muss man es ja jeden Morgen aus dem Bett schaffen. Man kann und darf sich und seine Ideen fokussieren und ernst nehmen, ohne zu denken, die Welt dreht sich nur um einen Selbst.

Nicht der Mittelpunkt des Universums zu sein, hilft wiederum dagegen, nicht immer zu meckern. Nicht alles passiert, um einen das Leben schwer zu machen und vielleicht ist gerade das, was mir Weltschmerz bereitet und glauben lässt, dass die Menschheit völlig verblödet ist, das was andere motiviert ein neues Business zu starten, ihre Familie zu versorgen und glücklich zu werden. Ich weiß, dass sich nicht alles um mich dreht und darüber bin ich verdammt nochmal auch sehr froh.

 

 

7 Comments

  1. Mir gehts manchmal ähnlich: gerade wenn ich Stress habe und nicht zum Bloggen komme oder einfach keine Inspiration da ist, frage ich mich, wozu ich das überhaupt mache.
    Aber wenn dann auch nur ein Kommentar kommt, der mich lobt oder mir dankt, dass ich etwas gepostet habe, ist alles wieder vergessen. Ich glaube, das liegt daran, dass wir schon so lange bloggen und vor allem, dass wir keine Schülerinnen mehr sind, die einfach viel mehr Zeit haben als wir.

    Anyway: Blog auf keinen Fall löschen!!

  2. „Und wenn mich das nächste Mal wieder eine Unsicherheit kitzelt oder Depression küsst, lasse ich mir “Einfach machen” auf die Kniescheibe tätowieren.“ Geniale Idee 😉 Weiter so, elvchen ♥

  3. Vielleicht ist man nicht der Mittelpunkt des Universums, aber vielleicht sollte man der Mittelpunkt seines eigenen Universums sein. Und als dieser darf man machen, was einem Spaß macht. Vielleicht ist es Krimskrams ins Netz schreiben, vielleicht ist es auch „Berlin Tag und Nacht“ schauen, wobei man das wirklich verurteilen darf. *g*

    Als Blogger braucht man vielleicht wirklich ein dickeres Fell, aber für jeden Buh-Mann kommen ja auch mindestens zehn Yeah-Leute. Von daher gleicht sich das ja irgendwo aus.

    Jedenfalls das, was die beiden Mädels sagen: Blog auf keinen Fall löschen und weiter so, elvchen 🙂

  4. Hach, danke Marco! Aber wie der Beitrag auch zeigen sollte: manchmal ist das auch gut nicht der Mittelpunkt zu sein und nicht zu denken alles schlimme, was passiert ist nur dafür da, um einen zu ärgern, damit erträgt man echt viel. Genauso wie die Hater zB mal darüber nachdenken sollten, ob sie genauso wenig der Mittelpunkt sind, denn dann würde sie sich nicht „angegriffen“ fühlen und müssten nicht überall ihren Scheiss zu allem dazu geben. Balance ist das Schlüsselwort! Aber David Foster Wallace hat mir schon ein bisschen geholfen, hätte er sich bloß nicht umgebracht!

  5. Aber ein bisschen wichtig muss man sich auch manchmal nehmen, gerade auch, wenn es um den eigenen Blog geht. Schließlich ist das ja deine Spielwiese, wo du machen kannst, was du möchtest. Aber Haterpopater. Wenn man Hater hat, hat man es ja auch irgendwie erst so richtig geschafft 😉

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