Ego-Love

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Vielleicht ist das mit der Liebe ja doch egoistischer als wir denken. Egal wie schön Disney und Hollywood sie uns geredet haben, eventuell geht es ja doch nicht darum, welche Gefühle man für jemanden hat sondern nur darum, wie wir uns dank der Person fühlen.

Für mich gab es immer mehr als nur eine Art von Liebe und ich nickte mit 20 ganz heftig als Sängerin Emiliana Torrini bei einem Konzert sagte sie habe noch viele Leben zu leben und viele Lieben zu lieben. Wie konnte Songwriterin Feist recht haben, wenn sie sang „Too many lovers in one lifetime ain’t good for you“?

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Jedes Mal wenn ich liebte, klaute ich mir etwas von meinem Geliebten. Also emotional gesehen (gut, von manchen auch einzelne schwarze Socken). Dinge, die mein Heranwachsen, meine Ansichten oder meinen Musikgeschmack veränderten und auch ich gab ihnen viel zurück. Klingt bis hierher nach einem fairen Deal.

Wenn man dann aber mal an einem Tag auf seinem Dach sitzt und sich philosophischer fühlt als all die Tage zuvor und so ein richtiger Schmerz aus der Vergangenheit angebrannt kommt, dann windet sich der Kopf jedoch auch mal und man fragt sich, warum man eigentlich mit den Exfreunden Schluss gemacht hat und wen man wohl wie sehr liebte. Man fragt sich, ob es da ein Muster gibt und überanalysiert sich. Wieso handeln die meisten meiner WhatsApp-Chats von Freunden, die sich das Leben vertindern, um jedes Mal enttäuscht zu sein? Wieso glaubt jeder Single, dass alle anderen da draußen öberflächlich oder ängstlich und beziehungsunfähig sind? Und warum meckern die meisten besonders über Berlin ?

Vielleicht ist die Erklärung ja doch, dass es sogar beim Lieben  wieder nur darum geht, das beste für sich herauszuholen. Ein Partner, der perfekt auf meine Städtetrip-Instagram-Selfies passt. Vielleicht ist diese sogenannte Beziehungsangst gar keine Angst vor Beziehungen, sondern eine ständige Marktanalyse und man hat Schiss nicht das beste Angebot zu bekommen. Denn man muss sich optimieren und braucht dazu auch den optimalsten Partner. Wenn Sven Hillenkamp in seinem Buch „Das Ende der Liebe“ also schreibt:

„Die freien Menschen denken, dass es möglich sei einen zu finden, den man Schönheit nennen würde,(…) der eine reife Persönlichkeit ist; der eine schöne Wohnung hat, einen guten Musik- und Filmgeschmack; der ehrgeizig ist und fürsorglich, der Kinder liebt; der zu ihnen passt. Sie denken, dass das alles zu finden, alles in einem zu finden, möglich sei; es nicht zu finden, persönliches Versagen.“

hat er dann nicht recht? Oder ist das übertrieben?

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Ich will hier wirklich gar nicht anfangen rumzuschlawenzeln und von einer bösen Egomanen-Verrohung der Gesellschaft zu sprechen. Ich habe gar nicht genug Zeilen, um zu überlegen wie gut oder schlecht es ist, dass es von solchen Seiten und Services immer mehr gibt und ob ich das jetzt als Freiheitssieg oder emotionales Taubheitsgefühl einordnen soll.

Liebe regeln durch Angebot und Nachfrage?

Der Vergleich von Liebe und Kapitalismus ist nicht neu, doch Michael Nast bringt in seinem Artikel zum gleichen Thema (den ich zum Glück erst gefunden hatte, als die erste Hälfte meines Artikels geschrieben war) noch einen interessanten Faktor mehr mit hinein: egoistische Liebe ist in Unzufriedenheit mit sich selbst begründet.

„Es ist das Gefühl, sich selbst nicht glücklich machen zu können, dass andere Dinge oder Menschen für die eigenen Gefühle verantwortlich sind – ob es nun das neueste iPhone ist, oder ein Mensch, der etwas für einen empfindet. Es schmeichelt unserer Eitelkeit, nicht mehr. Letztlich haben wir verlernt, uns selbst zu lieben. Wir verwechseln Selbstliebe mit Narzissmus.“

Uff. Das Liebe egoistischer ist als man sich einreden will, das hätte mich fast gar nicht so sehr bestürzt. Wenn es zum Beispiel das „Zum Lachen bringen“ ist mit dem man bezahlt, so kann ich doch sehr okay damit sein, dass ich natürlich Menschen lieber habe, die mir etwas geben oder in mir auslösen als denen, die sich mir gegenüber schlecht verhalten. Eventuell sollte man da dann nur über die Loyalität und Dauer solcher Verbindungen meckern, aber die Welt nur als einen Haufen unzufriedener Konsumkids zu sehen, die ihre Selbstzweifel in Sex mit Unbekannten Online-Dates ertrinken? Och nö.

Andererseits mach ich vor jedem eine Verbeugung, der mir sagt man müsse sich erst selbst gern haben, bevor man jemand anderen lieben kann. Bei Menschen, die die Erlösung durch eine Partnerschaft suchen und ihr gesamtes Leben bevor dieser EINE Mensch gefunden wird als sinnlos melancholisches Dixiklo empfinden, möchte ich auch regelmäßig brechen oder zumindest ihren Herzschluckauf beseitigen. Wer hat denn nun recht?

Wen oder was habt ihr das letzte Mal geliebt? Und wie schlimm ist es, wenn man sich erhofft durch einen Partner ein besserer Mensch zu werden?

 

 

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