An den schlechten Tagen – Ein Ehrlichkeitsanfall

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Die schlechten Tage beginnen mit Löffeln voll Nutella. Während die wenigen Stunden schlechten Schlaf mir noch am Rücken ziehen, funktioniert der Daumen schon. Er scrollt sich hektisch zu meiner halben Panikattacke durch Technews, Instagram und Pinterest. Statt mich zu inspirieren, sitzen alle Bilder und Headlines gemeinsam auf meiner Brust und pressen. Trotzdem kann ich nicht aufhören bis schließlich die Angst vor der fehlenden Pflichterfüllung so hoch ist, dass ich endlich aufstehe.

Ich schiebe mich ins Bad und nach dem ersten Pinkeln betrachte ich meinen Bauch im Spiegel. Es ist noch nicht mal um 9.00 und ich habe bereits den Konkurrenzkampf für meine Einrichtung, meine Lebensplanung und meinen Körper eröffnet. Jetzt ist das Gesicht dran. Keine Ahnung, wie viel Zeit ich damit verbringe es anzusehen, zu schieben, zu heben, zu verzweifeln. Ich sehe nur Augenringe und Falten, anstelle von Rehaugen und Grübchen – ein altes Mädchen. Aus dem Taubheitsgefühl, das mich eben noch vor der richtigen Panikattacke retten konnte, ist jetzt kräftig Stress erwachsen.

Ich habs verpasst. Ich hätte mit 20 doch im Hamsterrad-Job bleiben sollen. Ich hätte es schaffen können. Hätte ich es schaffen können? Was kann ich denn eigentlich? Wozu braucht die Welt das? Was ist überhaupt los mit dieser Welt? Wozu noch irgendwas retten, wenn sowieso alles wertlos ist? Ich bin so so alleine zwischen meinen 20 WhatsApp-Messages in der Stunde und 600 Facebookfreunden. Das Karussell der Bedeutungslosigkeit dreht sich, bis ich mich so dermaßen von mir selbst angeekelt fühle, dass ich nur noch traurig bin. In meinem Überflussleben mit allen Möglichkeiten der Welt habe ich genug Zeit intensiv und regelmäßig über mich und mein Sein nachzudenken, weil alles andere save ist und entscheide mich dann genau dafür aufzuzählen, was ich alles nicht kann und habe?

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Widerlich. Diese egozentrische Wesen will ich nicht sein. Ich will im Wald wohnen und nicht Frauen dabei zusehen, wie sie ihre Acryl-Glitzernägel am Morgen in ihr Mettbrötchen drücken. Ich will jeden Tag mindestens 30 Minuten frühstücken und es nicht als Zeitverschwendung abstempeln. Ich will positiv sein, frei, selbstlos, hilfsbereit und einfach machen, anstatt darüber nachzudenken, was ich alles machen könnte. Genau deswegen gibt es ja diesen Blog.

Morgen ist hoffentlich wieder ein guter Tag.

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